Brandschutzmaßnahmen in der Installation sicher umsetzen



Dass es einmal brennt, lässt sich nicht restlos ausschließen. Vorbeugende Maßnahmen im baulichen Brandschutz können die Ausbreitung und damit die Folgen jedoch eindämmen. Besonders gefährlich wird es, wenn ungesicherte Rohrdurchführungen die Ausbreitung von Feuer und Rauch im Gebäude begünstigen. Die deutschen Markenhersteller der Initiative Blue Responsibility arbeiten daher kontinuierlich an nachhaltigen Lösungen, die den Brandschutz optimieren und zu mehr Sicherheit sowie zum Werterhalt der Immobilie beitragen.

Im Brandfall nutzen Feuer, Rauch und Hitze Schwachstellen im Gebäude gnadenlos aus. Der Fokus von baulichen Brandschutzmaßnahmen liegt daher auf der Sicherung von Flucht- und Rettungswegen sowie darauf, die Ausbreitung des Brandes zu vermeiden und den Schaden möglichst gering zu halten. Sind Decke oder Wand als Brandabschnitt definiert, dürfen beispielsweise weder Schächte noch Durchdringungen von Leitungen zu einem benachbarten Brandabschnitt Feuer und Rauch frühzeitig durchlassen. Die zu treffenden Brandschutzmaßnahmen regeln die jeweiligen Bauordnungen und eingeführten technischen Baubestimmungen, z. B. die Leitungs-Anlagenrichtlinie (LAR). Die deutsche Sanitärindustrie entwickelt kontinuierlich Produkte, die die Brandschutzanforderungen mit praktischer Anwendbarkeit in der Installation kombinieren.

So bietet z. B. Viega eine Vielzahl von geprüften Rohrabschottungen an, die mit angrenzenden Systemen geprüft wurden. „Der Verwendbarkeitsnachweis in Form eines allgemeinen bauaufsichtlichen Prüfzeugnisses liegt vor und ermöglicht eine praxisgerechte Installation unter Berücksichtigung der Anforderungen an den Brandschutz“, erklärt Dirk Thielker von Viega. Ein weiteres praktikables Beispiel liefert das variable Schacht- und Vorwandsystem von Geberit. Hier wurde die Wirkung des Brandschutzes sowohl in puncto vertikaler als auch horizontaler Ausbreitung durch Brandprüfungen für die komplette Bauaufgabe nachgewiesen. „Mit der Zusammenführung von Sanitär-, Heizungs-, Lüftungs-, Abwasser- und Elektroleitungen sowie dem Tragsystem vereinfacht und beschleunigt unser System den Bauablauf und erfüllt gleichzeitig alle relevanten Brand- und Schallschutzanforderungen“, erklärt Volker Röttger von Geberit.

Flucht- und Rettungswege sichern
Im Brandfall hat die körperliche Unversehrtheit aller sich im Gebäude befindenden Personen oberste Priorität. Sichere Rohrsysteme in Flucht- und Rettungswegen spielen hierbei eine wichtige Rolle. Geeignet sind beispielsweise metallene Rohrsysteme von Viega, die ohne weitere Anforderungen offen verlegt werden dürfen. Auch Kunststoffrohrsysteme können verwendet werden. „Voraussetzung hierfür ist eine brandschutztechnische Kapselung des Rohrsystems für mindestens 30 Minuten. Dies kann durch die Dämmung der Rohre z. B. mit einer Rockwool RW 800 Rohrschale erreicht werden“, erklärt Dirk Thielker.

Sicherer Abstand für maximalen Feuerwiderstand
Die Vorschriften des DIBt und der MLAR regeln Mindestabstände zwischen Kabel- und Rohrabschottungen sowie anderen Öffnungen und Einbauten wie Lüftungskanälen. Werden diese Abstände unterschritten, kann es zu einer erheblichen Verminderung der angegebenen Feuerwiderstandsklassen kommen. Im Bereich der Medienleitungen untereinander und zu anderen Durchführungen sind nach MLAR und/oder den jeweiligen Anwendbarkeitsnachweisen bestimmte Mindestabstände einzuhalten. Diese Vorgaben beziehen sich auf Durchführungen von Leitungsanlagen und Installationsschächten durch feuerwiderstandsfähige Bauteile in Keller- und Obergeschossen. Besonders im Wohnungsbau, in Hotels oder Seniorenresidenzen, in denen die nutzbare Wohnfläche im Vordergrund steht, würde ein klassischer F90 Schacht beim Einhalten der Mindestabstände unerwünschte Ausmaße erreichen. Daher lassen Hersteller von Bauprodukten bestimmte Systeme zueinander prüfen und weisen dadurch nach, dass die geforderten Abstände nicht notwendig sind. So bietet beispielsweise Viega Brandabschottungen an, die sich untereinander, aber auch zu allen marktüblichen Rohrsystemen im Nullabstand verlegen lassen. „Gerade wenn es um die Prüfung zu fremden Systemen geht, ist ein langer Atem erforderlich. Die notwendigen Prüfberichte, Zeugnisse und Zulassungen nehmen bis zu vier Jahre in Anspruch und sind überaus kostenintensiv. Dennoch sind solche Lösungen in Hinsicht auf Praktikabilität bei der Installation von größter Bedeutung“, erklärt Dirk Thielker.

Verwendbarkeits- und Übereinstimmungsnachweise prüfen
Durch den langwierigen Weg von der Prüfung eines Brandschutzproduktes bis  zum Verwendbarkeitsnachweis ist es überaus schwierig, schnelle Anpassungen vorzunehmen. Zusätzlich zu den Verwendbarkeitsnachweisen sind U?bereinstimmungserklärungen für Bauprodukte und Bauarten notwendig, die bestätigen, dass diese mit technischen Regeln, Prüfzeugnissen und Zulassungen konform sind. „Eine Bauart, z. B. eine Rohrleitung, ihre Befestigung oder Da?mmung, setzt sich aus verschieden Bauprodukten zusammen. Hersteller der Bauart ist in der Regel der Installateur, es ko?nnen jedoch auch mehrere Hersteller an der Erstellung der Bauart beteiligt sein“, erklärt Thielker. Der Hersteller des Bauproduktes geht aus dem aufgebrachten U?-Zeichen oder aus der CE-Kennzeichnung und Leistungserkla?rung des Verwendungsnachweises hervor.

Trotz präziser Regeln sind Abweichungen von Verwendbarkeitsnachweisen in der Praxis kaum zu vermeiden. „Wichtig ist dann die frühzeitige Abstimmung aller am Bau beteiligten Gewerke vor der Ausführung“, betont Röttger. Die Übereinstimmung oder Abweichung eines Bauproduktes festzustellen, ist Aufgabe des Herstellers des Bauproduktes. Bewertet er die Abweichung als nicht wesentlich, so gilt dies als Übereinstimmung mit dem Verwendbarkeitsnachweis. Für Bauarten gilt dies analog und wird vom Hersteller der Bauart, also dem Installateur, umgesetzt. „Ist der Installateur bei der Bewertung einer Abweichung unsicher, kann er sich entweder an den Inhaber des Verwendbarkeitsnachweises oder an eine Prüfstelle wenden“, rät Thielker.

Profilierung am Markt durch Brandschutz-Know-how
Häufig wird der Brandschutz von den ausführenden Gewerken als kompliziert empfunden. „Das liegt sowohl an zahlreichen Schnittstellen mit unterschiedlichen Gewerken als auch an einer Flut an europäischen Regeln und unzureichenden Kapazitäten in den zuständigen Behörden. Planer und Installateure sollten den Brandschutz nicht als notwendiges Übel betrachten, sondern als Chance, sich durch umfassendes Know-how am Markt zu profilieren“, rät Röttger. Auch Wolfgang Burchard von Blue Responsibility bestätigt: „Nur richtig umgesetzte Brandschutzmaßnahmen und deren korrekte Dokumentation sichern die Einhaltung des erforderlichen Brandschutzniveaus und die Nachweisführung über die richtige Verwendbarkeit. Brandschutzmaßnahmen in der Installation tragen so maßgeblich zum nachhaltigen Werterhalt der Immobilie sowie zur Sicherheit seiner Bewohner und Besucher bei.“   

Mehr zu dem Thema erfahren Sie auf den Seiten der Hersteller www.geberit.de und www.viega.de.